Oben Links: Nataliya Rogankivka Verantwortliche der nationalen polytechnischen Universität Lvivs und Übersetzerin)
Links in der Ballkiste: Mariya Navalkivska (Psychologin an der städtischen Klinik "N5" in Lviv)
Rechts davon: Halyna Myshchyshyn (Mutter von Victor; autistischer Junge, acht Jahre alt)
Rechts oben: Ihor Yakubovskyy
Vorne Links: Kateryna Ostrovska (die Leiterin dieser Gruppe, Professorin der Psychologie an der nationalen Universität Lvivs und Mutter von Pavlo; autistischer Junge, 22 Jahre alt)
Vorne Rechts: Ulla Rieke
Besuch aus der Ukraine
Am 14.10.09 kamen uns Kateryna Ostrovska, Ihor Yakubovskyy, Halyna Myshchyshyn, Mariya Navalkivska, Nataliya Rozhankivska besuchen, um für ihre Arbeit mit autistischen Kindern und Jugendlichen in Lemberg (auf Ukrainisch „Lwiw“) neue Ideen und Information zu sammeln. Sie hatten strapaziöse und lange Fahrten hinter sich und mussten nach einem Autovorfall in Polen erst einmal zurückfahren und das Auto umtauschen!
Frau Ostrovska ist besonders daran interessiert, mit Europäischen Zentren und Kliniken Kontakt aufzunehmen, da sie an der Psychologischen Fakultät von Lembergs Nationaler Universität und an der Abteilung für Soziale Arbeit an der Ukrainischen Katholischen Universität darüber lehren und auf lange Sicht hin, den Zustand für autistische Kinder und deren Angehörige in der Ukraine verbessern möchte. Sie ist zudem Leiterin eines regionalen Experiments, welches sich mit der Unterrichtung autistischer Kinder nach dem Grundschulalter befasst.
Alle Teilnehmer sind brennend daran interessiert die Weiterentwicklung ihres eigenen Zentrums („Open Heart“) zu unterstützen, das vor 5 Jahren als eine Art Elternselbsthilfegruppe entstand. Heutzutage wird es auch staatlich finanziell unterstützt und kann 2 Psychologen, eine Psychotherapeutin, einen Pädagogen und einen Eingliederungshelfer einstellen. Zwei der Personen erziehen selbst autistische Kinder – Frau Ostrovska hat einen 22 jährigen Sohn, namens Pavlo und Frau Myshchyshyns Sohn, Vitja ist jetzt 12 Jahre alt.
Mittels einer professionellen Dolmetscherin entstand ein reger Austausch, der viele Aspekte der Arbeit mit Autismus und Asperger im Einzelnen, in der Breite und in der Tiefe beleuchtete.
Sie waren z.B. sehr an der Geschichte unserer Einrichtung interessiert, da auch hier ehemalige betroffene Eltern die Initiative ergriffen hatten. Wie der Übergang von einer Elterninitiative zu einem öffentlichen Unternehmen passierte und wie aus ehrenamtlichen Mitarbeitern bezahlte wurden, war auch ein Aspekt über den wir diskutierten. Sie fragten unter anderem, wie lange eine Diagnose des Autismus bei uns dauerte. Frau Rieke erklärte, dass wir in der Regel ein 2-stündiges Elterngespräch parallel zu einer Spielbeobachtung des Kindes oder Jugendlichen benötigten.
Wir gaben ihnen auch einen Überblick über eigene und andere Testmethoden, an denen sie sehr interessiert waren, da es an diesen in der Ukraine noch fehlt. Sie baten uns so bald wie möglich nach Lemberg zu kommen, um über die verschiedenen Testmöglichkeiten an ihrem Zentrum und an den beiden Universitäten zu referieren/ Seminare anzubieten.
Wir (Frau Rieke und Frau Hartnagel) waren erstaunt zu hören, dass im Gegensatz dazu, die Ukrainische Diagnose zum Autismus in 15 Minuten von einem Psychiater gestellt wird. Unsere Besucher waren der Meinung, dass der jetzige Zustand der Diagnose des Autismus und der Therapie- und Betreuungsmöglichkeiten in der Ukraine der Verbesserung bedarf und Betroffenen gezielter geholfen werden müsste.
Sie erwähnten, dass in der Ukraine viele Ehen am Stress, den ein autistisches Kind in die Familie brächte, zugrunde gingen, und sich in den meisten Fällen die Mütter dann alleine, ohne die nötige Unterstützung vom Staat durchschlagen müssten, das heißt arbeiten und ein autistisches Kind betreuen! Oft bräuchten die Familien grundlegende Beratung und Hilfe, um überhaupt zu wissen, wie sie mit der überfordernden Situation zurechtkommen sollen. Im Jahre 2007 hätten mehr als 50 Familien von individueller Beratung ihres neuen Zentrums profitiert, es gäbe aber noch viel mehr zu tun!
Ihnen gefiel unser eher klientenzentrierter, flexibler und ganzheitlicher Ansatz im Vergleich zu den verhaltenstherapeutischen und trainingsorientierten Methoden, die sie in anderen Zentren vorgefunden hatten. Dieser sei auch mit ihrem eigenen Ansatz theoretisch und praktisch zu vergleichen.
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