Diagnostik - allgemein

Bei der Diagnostik der Störungen aus dem autistischen Spektrum orientieren wir uns an den Kriterien des gebräuchlichen Diagnosemanual ICD 10, Kapitel V (F) (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) sowie den Kriterien des DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders. Da es beim Autismus weder genetische Marker noch andere physiologisch nachweisbare Kriterien gibt, lassen sich alle Formen aus dem Autistischen Spektrum nur über eine detaillierte Analyse des Verhaltens und der Entwicklung diagnostizieren.

Der Autismus zählt gegenwärtig noch zu den „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“, das heißt, dass die Entwicklung von Geburt an qualitativ anders, und nicht nur verzögert verläuft. Aus diesem Grund ist die Erhebung anamnestischer Daten von größter Wichtigkeit und spielt bei der Klärung der Diagnose eine bedeutende Rolle. Die Diagnose einer autistischen Störung gründet sich auf das Vorhandensein von Auffälligkeiten in den Bereichen soziale Interaktion, Kommunikation und begrenzte, repetitive und stereotype Verhaltensmuster, Interessen und Aktivitäten.

Bei der Diagnostik im Autismus Therapieinstitut erheben wir sowohl Daten zur Entwicklung, als auch Daten aus der direkten Beobachtung. Das Ziel ist es, eine klinische und entwicklungspsychologisch fundierte Autismusdiagnose zu erarbeiten und die Familie hinsichtlich der Förder- und Hilfemöglichkeiten zu beraten. Hilfreich und unterstützend dabei können eine Reihe von symptomorientierten Checklisten, Beobachtungsskalen und andere ergänzende testpsychologischer Instrumente sein wie z.B. ADOS, ADI.

Die Diagnostik bei uns besteht aus folgenden Bausteinen:

  • Einem Elternfragebogen, der vor dem Termin an die Eltern versendet wird
  • Einer 90minütigen Spiel- und Verhaltensbeobachtung des Kindes
  • Einem 90minütigen Gespräch mit den Eltern und ggfs. Betreuern
  • Der Auswertung vorhandener Berichte

Die Spiel- und Verhaltensbeobachtung wird von einem Therapeuten vorbereitet und durchgeführt. Wichtig ist uns hier eine stress- und angstbesetzte Situationen möglichst zu vermeiden. Die Spiel- und Interaktionsbeobachtung erfolgt bei Kindern vor einem spielerischen, wertschätzenden Hintergrund. Bei Teenagern und jungen Erwachsenen nimmt sie oftmals die Form eines geführten Gesprächs an, in dem auf die Entwicklung und die aktuellen Lebensumstände eingegangen wird.Das Gespräch mit den Eltern erfolgt parallel zur Beobachtung des Kindes. Falls die Eltern dies wünschen besteht die Möglichkeit, dass relevante Bezugspersonen z.B. Erzieherinnen, Betreuer oder andere Verwandte an dem Gespräch teilnehmen. Am Ende des Gesprächs findet ein Austausch zwischen den beiden Therapeuten statt, in dem die erhobenen Daten und Einschätzungen im Hinblick auf Diagnose und Symptomatik diskutiert, ausgewertet und den Eltern rückgemeldet werden. Liegen dabei unterschiedliche Einschätzungen vor, kann demnach keine Diagnose vergeben werden, aber der Verdacht besteht weiterhin, wird eine intensive therapeutische Abklärung in unserem Institut beantragt oder gemeinsam überlegt, ob und wo eine weitere 2. Meinung eingeholt werden sollte.Die intensive therapeutische Abklärung beinhaltet direkte Informationen aus verschiedenen Situationen: wir besuchen das Kind z.B. das Kind im Schulalltag, in der häuslichen Umgebung oder in der Kita. Zudem ermöglicht eine intensive Abklärung einen mehrmaligen Kontakt zu dem Kind über einen längeren Zeitraum. Weiterhin beinhaltet die intensiv therapeutische Abklärung vertiefte Elterngespräche und den Austausch mit verschiedenen Fachgruppen wie z.B. Ärzten, Therapeuten, Erziehern, Lehrern. Eine Diagnostik bei uns wird nicht von den Krankenkassen übernommen!Auch wird zur Gewährung bestimmter Maßnahmen eine medizinische (fachärztliche) Diagnostik verlangt.Soll im Anschluss an eine Diagnostik eine Therapie in unserer Einrichtung erfolgen, wird häufig eine bestätigende Diagnose von einer zweiten Stelle verlangt. Wir können Ihnen bei Bedarf medizinische Einrichtungen nennen, an die Sie sich wenden können!