Das Autismus-Therapieinstitut in Langen : Konzept.

(Stand: 1. Juni 2004)


1. Organisationsform der Einrichtung.

Das Autismus-Therapieinstitut ist eine ambulante Einrichtung und wurde 1977 vom Verein „Hilfe für das autistische Kind, Vereinigung zur Förderung autistischer Menschen, Regionalverband Rhein-Main e.V." gegründet. Am 1.1.2003 ging die Trägerschaft auf den Verein „Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach e.V. über.

Das Autismus-Therapieinstitut ist eine überregionale Einrichtung und vom Land Hessen als spezielle Frühförderstelle anerkannt.

Das Autismus-Therapieinstitut beschäftigt Diplom-Pädagogen und Diplom-Psychologen

2. Inhaltliche Aspekte.

2.1. Ganzheitliche Sichtweise.

Mit unseren Förderbemühungen versuchen wir, das Umfeld (Familie, Arbeitsplatz, Schule usw.) in die Ziel- und Methodenüberlegungen miteinzubeziehen und nicht isoliert den Klienten zu verändern. Durch Hereinnehmen der Lebensperspektiven in unsere Arbeit - was durch die sehr weite Altersspanne unserer Klienten und die meist über mehrere Jahre laufende Zusammenarbeit unterstützt wird - bemühen wir uns, gemeinsam mit allen Beteiligten Ziele zu entwickeln, die langfristig Werte für die Betroffenen darstellen; dies sind z.B. Ziele wie Kommunikations- und Beziehungsfreude, Selbständigkeit, Gemeinschaftsfähigkeit.

2.2. Orientierung an verstehenden Therapie- und Pädagogikkonzepten.

Viele Verhaltens- und Erlebensweisen von autistisch behinderten Menschen irritieren oder stören uns. Ohne jedoch die Bedeutung solcher Phänomene (wie z.B. Stereotypien) zu verstehen oder wenigstens ihre Nebenaspekte zu kennen, ist pädagogisches oder therapeutisches Handeln zum kurzsichtigen Agieren verurteilt.
Unser Ziel ist es, bei jedem unserer Klienten individuell zu versuchen, dem Sinn seiner Handlungen näher zu kommen (z.B. die psychohygienische Bedeutung bestimmter seltsam erscheinender Bewegungsrituale zu sehen); das Verstehen seiner individuellen Geschichte und seiner familiären Einbindung sind wichtige Teile davon. Erst auf dieser - auch solidarisierenden - Basis des sich Einlassens auf die Welt des autistischen Menschen und seiner Familie kommen wir zu Entwicklungs- und Veränderungsvorstellungen. Therapie bzw. Pädagogik und Diagnostik bzw. Erkennen relevanter Dimensionen bleiben somit verschränkt.

2.3. Therapeutisches Handeln als Beziehungsarbeit.

Therapeutische und pädagogische Arbeit heißt für uns die Bemühung, eine individuelle Form menschlicher Beziehungen aufzubauen, in der wir unsere eigenen Empfindungen, Gefühle, Gedanken, Einstellungen und Wahrnehmungen als notwendigen Teil der Wechselwirkung zwischen uns und dem anderen versuchen miteinzubeziehen und möglichst bewusst zu handhaben. Das schließt eine starre Umsetzung vorhandener Techniken von im Voraus festgelegten Zielvorstellungen aus. Wir versuchen, als Menschen und nicht nur als Rollenträger "Therapeut" sichtbar zu sein. Dazu ist es notwendig, die eigenen Erfahrungen, Phantasien und das Erleben im professionellen Dialog (z.B. externe Supervision, kollegiale Supervision) zu reflektieren. Auf diese Weise hoffen wir u.a., offen und sensibel zu bleiben für die jeweils anstehenden individuellen Handlungsmöglichkeiten und nicht in Professionalitätsritualen zu erstarren. Die Betonung der Beziehungsdimension ist gerade in der Arbeit mit autistischen Menschen von Bedeutung, weil der Aufbau von Beziehungs- und Kommunikationsstrukturen im Zentrum der Schwierigkeiten autistischer Menschen und ihrer Angehörigen und Bezugspersonen steht. Die Verwirklichung von gegenseitiger Aufrichtigkeit, die im Chaos von Wahrnehmungsverarbeitungsschwierigkeiten autistischer Menschen sehr wichtig ist, weil sie mehr Klarheit im Zwischenmenschlichen bedeutet, ist nur innerhalb eines Beziehungskonzeptes zu realisieren.

2.4. Orientierung an wissenschaftlichen Modellen, Theorien und Konzepten.

Unser pädagogisches und therapeutisches Handeln orientiert sich an den sich weiterentwickelnden wissenschaftlichen Erfahrungen insbesondere aus der Behindertenpädagogik, der Allgemeinen Pädagogik, der Entwicklungspsychologie, der Psychotherapie und der Psychopathologie. Aus unserer eigenen Praxiserfahrung haben z.B. Ansätze wie die Entwicklungspsychologie nach Piaget, die Verstehensmethoden der Psychoanalyse (z.B. M. Mahler, Tustin, Lorenzer), kind- und klientenzentrierte Ansätze, tiefenpsychologisch fundierte Therapie, körperorientierte Handlungsverfahren (z.B. nach W. Mall) und Ansätze familienorientierter Methoden in unserer Einrichtung wichtige Bedeutung erlangt.

2.5. Integration  und Gemeindenähe.

Es ist unser Wunsch, Kindergarten, Schule, Werkstatt, Arbeit, Wohnen und Freizeit gemeindenah organisiert und in allgemeine kulturelle Strömungen und Situationen eingebunden zu sehen. Unsere Arbeit intendiert also auch eine kulturelle und materielle Veränderung in die Richtung, dass Nichtaussonderung und solidarischere Verantwortungsverteilung (nicht nur die Familienangehörigen als Träger der Hauptlasten!) näher rücken. Öffentlichkeitsarbeit und professioneller Austausch sind einige der Möglichkeiten, mit denen wir diese Vorstellungen umzusetzen versuchen. Zudem fließen derartige Zukunftsperspektiven von humanen Lebensformen in unsere Phantasiearbeit in den Therapiestunden mit ein, was wir möglichst bewusst zu handhaben versuchen.