Frühkindlicher Autismus

War historisch die erste Form des Autismus. Der Frühkindliche Autismus (die veraltete Bezeichnung lautet Kanner Autismus) geht auf die Beschreibung des Krankheitsbildes von Leo Kanner (im Jahr 1943) zurück. Kanner leitete die Kriterien hierfür aus seiner Beobachtung von 11 Kindern ab, deren auffälliges Verhalten bis dahin unerklärbar erschien.

Autismus beginnt in der Kindheit. Wesentlich für den Frühkindlichen Autismus ist, dass sich die Auffälligkeiten im Bereich der Sprache, oder der Sozialen Interaktion oder hinsichtlich des Spielverhaltens sehr früh zeigen und sich bereits vor dem 3 Lj. beobachten lassen! Am deutlichsten zeigt sich dies in der Beziehung zu den Eltern und Bezugspersonen. Die Kinder verhalten sich im Kontakt oft seltsam, vermeiden eventuell den Blickkontakt oder die Nähe zu anderen Menschen, beschäftigen sich oft seltsam oder gar nicht mit den Spielsachen oder vollführen seltsame Bewegungen.

Beim Frühkindlichen Autismus zeigen sich über das 3. Lebensjahr hinaus weiterhin Auffälligkeiten in dem Bereich der Sozialen Interaktion (etwa in der Nonverbalen Kommunikation wie Blickkontakt, Gestik, Mimik, in der Beziehung zu Gleichaltrigen, dem Mitteilungsbedürfnis und dem Herstellen einer gemeinsamen Aufmerksamkeit und generell im sozialen und emotionalen Miteinander), im Bereich der der Kommunikation (z.B. in der Sprachentwicklung, der Fähigkeit ein wechselseitiges Gespräch zu führen und aufrecht zu erhalten, oder der stereotypen Verwendung der Sprache) und in Bezug auf Sonderinteressen/Spezialinteressen, Rituale und Zwänge aber auch komplexe Bewegungen des Körpers wie beispielsweise Hände wedeln o.ä.

Gemeinsam ist allen Autismusformen, dass sich die Menschen, selbst bei gleicher Diagnose, sehr stark voneinander unterscheiden und die Ausprägung der Schwierigkeiten/Beeinträchtigungen stark von Mensch zu Mensch variieren kann. („Kennst du einen Autisten, dann kennst du einen Autisten“)

Neben den Auffälligkeiten welche in den Diagnosekriterien beschrieben sind, zeigen sich für die Betroffenen Menschen in der Praxis vielfach noch weitere typische Problembereiche (Essen/Nahrungsaufnahme, Intelligenzminderung/geistige Behinderung, Schlafstörungen, Wahrnehmungsstörungen - etwa eine akustische Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen normaler Lautstärke (Hyperakusis), eine veränderte Körperwahrnehmung oder Berührungsempfindlichkeit, eine besondere Begabung in Teilgebieten (Inselbegabungen), etc.)